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Neid stört die Tätigkeit von Leber und Galle

(zum besseren allgemeinen Verständnis siehe auch den Aufsatz „Psychosomatik")

Die Leber ist ein Stoffwechselorgan mit so vielseitigen Funktionen, dass es schwierig ist, hier die psychosomatischen Zusammenhänge klar zu umreißen. Aber lange Erfahrungen berechtigen, auch für diesen Organbereich treffende Aussagen zu machen. Außerdem verdeutlicht uns die Umgangssprache, dass auch Leber und Galle sehr empfindsam auf seelische Einflüsse reagieren: "Mir ist etwas über die Leber gelaufen", "Gift und Galle spucken", "Mir läuft die Galle über" oder "Er ist gelb vor Neid und Eifersucht".

Die Leber ist das Zentralorgan des Stoffwechsels - bildlich gesprochen, das Labor des Menschen. Neben der maßgebenden Rolle in der Energieversorgung und im Eiweißstoffwechsel ist es ihre Aufgabe, die goldgelbe, schleimige Galle zur Verdauung der Fette zu produzieren. Aber ihre Hauptaufgabe besteht darin, schädigende Stoffe zu inaktivieren, also entgiftende Maßnahmen zu treffen, was in der heutigen, zunehmend belastender werdenden Gesamtlage mit immer größeren Leistungsanforderungen verbunden ist. - Und diese letztgenannte Funktion ist es vor allem, bei der eine deutliche psychosomatische Beziehung beobachtet werden kann.

Die Leber reagiert immer auf ein Zuviel

Die Fähigkeit der Leber zu entgiften, setzt die Fähigkeit der Unterscheidung voraus zwischen dem, was giftig ist und dem, was ungiftig ist. Auch der Mensch sollte sich seiner Unterscheidungsgabe bedienen. Wenn die rechte Beurteilung fehlt, dann kommt es mit der Zeit zu einer Überforderung, die auch auf unsere Entgiftungsorgane einwirkt. Jede derartige Fehleinschätzung, jede Maßlosigkeit, jedes neidvolle Habenwollen - in materieller wie in spiritueller Hinsicht - wirkt auf die Leber belastend: Zu viel Fett, zu viel Alkohol, zu viele Medikamente usw., oft verbunden mit Sucht und Begierde. Aber auch ein Zuviel und Falsches an geistigen Ansprüchen in ehrgeizigen ideellen Zielen übersteigen die Verarbeitungskapazität der Seelenbereiche, die mit der Leber verbunden sind und beeinträchtigen in der psychosomatischen Wechselwirkung das körperliche Organ. Auch wenn neue Ideen zur Verwirklichung im Raum stehen, die alten aber nicht losgelassen werden, reagiert schließlich die Leber, denn eine gesunde Leber scheidet das nicht mehr Brauchbare aus und hält am Guten fest. Wird sie durch anhaltende physische und psychische Einflüsse darin gehindert, reagiert sie mit Funktionsschwäche und Beschwerden und zwingt damit, zu einer sinnvollen Genügsamkeit zurückzufinden. Der Leberkranke verliert Energie und Lebenskraft, seine Potenz und seine Lust am Essen und Trinken, und lernt in der Krankheit Einschränkung, Ruhe und Entbehrung. Jede Krankheit ist in irgendeiner Weise Lehrmeisterin und appelliert mit mehr oder weniger starkem Druck an unsere Einsicht.

Folgende Fragen sollte sich der Leberkranke stellen:

Wo bin ich ins Zuviel geraten und habe das für mich rechte Maß verloren? Beachte ich noch ausreichend, was für mich gut ist und was für mich "Gift" ist - habe ich Probleme mit meiner Einschätzung? Habe ich zu hoch gesteckte Ideale, zu ehrgeizige Ziele? Habe ich noch Vertrauen zu meiner inneren Stimme, die mich zu sinnvollen Einschränkungen auffordert?

"Gift und Galle spucken"

Verbunden mit der Leber sind die Gallenwege, in denen die zur Verdauung erforderliche Galle befördert wird. Ist die Leber krank, so kann auch die Galle nicht mehr gut fließen. Aber speziell in Bezug zur Galle kann noch eine weitere psychosomatische Besonderheit beobachtet werden: Die aggressive, verdauende Eigenschaft der Gallenflüssigkeit ist Ausdruck von Energie, die zum Aufrechterhalten wichtiger Funktionen in Fluss bleiben muss. Und dass Aggression etwas mit der Galle zu tun hat, das wissen wir aus der bereits zitierten Umgangssprache, und dass der "Choleriker" (Cholerese = Gallebildung) sogar nach dieser galligen Aggression benannt wird, ist ein weiterer Hinweis darauf. Aggression im Sinne von Angriff und Auseinandersetzung ist aber nichts Schlechtes, wenn damit ein sinnvolles Ziel verbunden ist - wir benötigen die aggressive Galle genauso zum Verdauen wie die Zähne zum Zerkauen und Zerbeißen. Wer sich jedoch ständig ärgert, gekränkt und beleidigt ist und sich benachteiligt vorkommt, ohne das auch zu äußern und nach Änderungen zu suchen oder durch Einsicht zu einer Akzeptanz der Situation zu gelangen, "dem läuft zwar die Galle über", aber sie kann nicht fließen und nichts bewirken. Es kommt zu einem Stau, zur Verkrampfung der Gallenwege, zur Behinderung des Gallenflusses und schließlich zur Bildung von Ablagerungen. Gallensteine sind meist Ausdruck von zurückgehaltener Energie, hervorgerufen durch innere Verhärtung und Verbitterung.

Gallensteine waren bislang häufiger bei Frauen anzutreffen, besonders bei verheirateten Frauen mit Kindern, die sich in den Zwängen der familiären Situationen eingeengt fühlten und innerlich "kochten", aber aufgrund ihrer traditionellen Vorbildfunktion als Mutter und Ehefrau keine andere Möglichkeit sahen als diese aggressiven Energien unausgesprochen zu lassen. Ob das heute, in einer Zeit, in der sich die Frauen aus diesen Zwangslagen sehr wohl zu befreien wissen, auch noch so ist, das bleibt noch zu beobachten.

Was will uns die Gallenstörung sagen?

Der Gallenkranke muss lernen, zu seinen inneren, aggressiv-drängenden Impulsen, zu seinen Wertvorstellungen und Lebenskräften zu stehen, sie auszudrücken und Taten zu setzen, um seine Energien zum Fließen zu bringen und in Fluss zu halten. Dabei sind oft eigene Trägheit, Voreingenommenheit, Verklemmtheit und falsche Rücksichtnahme als Hindernisse zu überwinden und mit einigem Mut die ersten kleinen Schritte des Veränderns zu setzen, bis dann ein energisches Umsetzen der inneren „aggressiven" Kräfte zu sinnvollen Aktionen möglich wird. Und "sinnvoll" heißt: Die Aggressionen in schöpferische Energien umzuwandeln und so zu verwirklichen, dass sie im Miteinander eine gute Lösung bringen - nicht nur für mich, sondern auch für mein Umfeld. Denn was nützt es, wenn sich durch unsensible Attacken zwar der Gallenstau legt, aber durch Verletzungen und Kränkungen so viele Wunden geschlagen werden, dass wieder andere krankmachende Schwierigkeiten und Probleme ins Rollen kommen.

Verwendete Literatur:

Dethlefsen T. und Dahlke R.: Krankheit als Weg (Bertelsmann-Verlag 1988)
Tepperwein K.: Die Botschaft Deines Körpers (mvg-Verlag München 1991)
Tepperwein K.: Was Dir Deine Krankheit sagen will (mvg-Verlag München 1990)

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